Die Geschichte, als Willi sein weißes Wunder erlebte

Willi war eine kleine Wüstenrennmaus. Er lebte in einem Käfig in Sofias Zimmer. Sofia war sechs Jahre alt und ein sehr liebes Mädchen. Willi lebte gerne bei ihr.

In seinem Käfig gab es allerhand Sachen, an denen er sich austoben konnte. Er liebte es zu springen und zu rennen und zu toben. Manchmal drückte Sofia ihre Nase an den Käfig, um Willi gut beobachten zu können. Das störte Willi nicht. Manchmal machte er dann sogar extra ein Kunststück für Sofia. Das Mädchen klatschte in die Hände und sprang durch ihr Zimmer. Das freute Willi.

Eines Morgen stellte Sofia ihrem haarigen Freund frisches Wasser und Futter in den Käfig. An diesem Tag war auf Sofias Schule ein toller Ausflug in den Zoo geplant.

Das Mädchen war mit ihren Gedanken daher schon bei all den Tieren im Zoo. Was würde sie wohl sehen? Elefanten? Tiger? Vielleicht sogar ihr Lieblingstier, eine Giraffe? Sofia schnappte ihren Schulrucksack und lief aus ihrem Zimmer. Doch, oh Schreck!

Das kleine Mädchen war mit ihren Gedanken so abgelenkt dass sie vergessen hatte, die Käfigtür von Willi wieder zuzumachen. Willi war gerade erst aufgewacht. Er streckte alle vier Mäusepfoten in die Luft und gähnte ganz laut.

„Uaaaaaah.“

Dabei konnte man seine kleinen Mäusezähne sehen. Gerade wollte Willi aus der frisch gefüllten Wasserschüssel trinken, da fiel ihm etwas ins Mäuseauge: Die Käfigtüre stand offen! Willi hatte sich immer sehr wohl in seinem Käfig gefühlt und wollte ihn auch nie verlassen. Doch jetzt hatte er ganz unerwartet die Möglichkeit dazu.

Willi überkam urplötzlich Neugierde und Erwartung und Aufregung. Er wollte unbedingt wissen, was es außerhalb seines Käfigs zu entdecken gab!  Langsam und vorsichtig und leise setzte er eine Pfote nach der anderen aus dem Käfig. Er streckte seine spitze Nase in die Luft und roch. Die Luft war – nicht anders als im Käfig. Doch vielleicht gibt es ja andere spannende Dinge zu entdecken?

Willi sprang vom Tisch runter, auf dem sein Käfig stand. Er tapste, rannte und tippelte durch Sofias Zimmer, dann durch das Wohnzimmer und schließlich stand er vor der großen Eingangstür. Wie sollte er da nur durch kommen?

Zum Glück hatte die Familie von Sofia auch eine Katze, Katharina. Für sie hatte die Familie eine Extratür einbauen lassen. Die war ganz klein und am Boden der Eingangstüre. Willi die Wüstenrennmaus tippste durch die Tür hindurch.

Ach du heiliges Hamsterrad! Was war denn das? Willi stand vor einer reinweißen Landschaft. Er sah weiße Bäume, weißen Boden und sogar ein weißes Fahrrad. Etwas weiter entfernt sah er Hund Hugo im Garten laufen, der auch in seinem Haus wohnte. Scheinbar war dieses weiße Zeug ungefährlich.

Willi setzte eine Pfote nach der anderen auf die Treppe vor der Eingangstür. Doch oh nein, schwups und wups rutschte Willi aus und rollte die Treppe hinunter. Als Willi endlich liegen geblieben war, hatte sich rund um ihn das weiße Zeug angesammelt. Willi war eine Kugel! Plötzlich kam Sofia ihm entgegen gelaufen.

Sofia rief: „Mama, Mama, ich habe vergessen Willis Tür zu schließen! Mamaaa!“

Ganz knapp blieb Sofia vor Kugelwilli stehen. Sie sah verdutzt und verwirrt und irritiert die Kugel an. Plötzlich begann Sofia lauthals zu lachen.

„Willi! Jetzt bist du ja eine Schneeball-Wüstenrennmaus!“

Willi, dem zwar schon etwas kalt war in der eisigen, weißen Masse, musste auch zu kichern beginnen. Nachdem beide sich trotz Lachen wieder bewegen konnten, befreite Sofia ihren Willi vom Schnee und setzte ihn zurück in seinen Käfig. Darüber war Willi ziemlich froh, denn die Welt da draußen ist nur weiß und gar nicht bunt. Und so kalt.